Auf einem Hügel am nördlichen Dorfrand wurde die Kirche auf einer alten Burgruine 1786 neu errichtet. Sie ersetzt einen steinernen gotischen Vorgängerbau mit aufgesetztem Fachwerk, der um ca. 1450 errichtet wurde, aber Ende des 18. Jhdt. Für baufällig befunden wurde.

Die Kirche ist vom Soodener Baumeister Reutel im sog. „Zopfstil“ im Übergang vom Rokoko zum Klassizismus errichtet worden. Der südliche Eingangsbereich ist etwas nach vorn abgesetzt, was man als „Risalit“ bezeichnet. Der Tum befindet sich auf der Südseite an der Längsachse der Kirche über dem Haupteingang. Die Kirche verkörpert einen zur damaligen Zeit neuen Kirchentyp und war wegweisend für andere Kirchen in der Gegend.

1989/99 wurde sie durch viel Eigenleistung der Gemeinde vollkommen renoviert. Eigentlich sollte nur der Dachstuhl saniert werden, dabei tauchten immer mehr Schäden auf und so wurde es eine vollständige Innensanierung der Kirche.

Neben dem Altar steht ein Taufstein, angefertigt 1980 und gestiftet von der Oberrieder Familie Wolfgang und Elfriede Koch mit der Inschrift „Christus Quelle des Lebens“.

Die Orgel wurde 1789 vom Kassler Hoforgelbaumeister Wilhelm erbaut. Sie ist als typisches Werk des „Zopfstils“ fast vollständig im Originalzustand erhalten. Im Übergang vom Barock zum Klassizismus enthält der Orgelprospekt zwar kein ausgreifendes Ornament mehr, aber noch vorspringende Türme sowie Felder mit geschweiftem Abschluss und damit Stilrichtungen beider Epochen. Der mittlere Rundturm wird beidseitig von Spitztürmen begleitet, denen sich außen jeweils höher geführte Pfeifenfelder anschließen. Die Orgel hat 14 Register. 10 sind dem Manual und 4 dem Pedal zugeordnet. 842 Pfeifen sorgen für ein vollen Klang. Aus historischen Gründen ertönt die Orgel nicht im heutigen Kammerton „a1“ (440Hz),
sondern ca. ¼ Ton höher mit 451 Hz.

Die Inschrift über der Eingangstür lautet:

CHRISTL BETHAUS D. GEM. OBER-RIEDEN
ERBAUT UNT. D. GLORR. REGIER. WILHELM D. VIIII
ZUR ZEIT D. PRED. JO. GUNDELACH
MDCCL XXXVI

Pfarrer in Oberrieden
  • 1519-1534 Henricus Heise
  • 1537 Paul Töpfer
  • 1531?-1548? Jakobus Mangus (Menges
  • 1545-1548 Jakob Thiele, identisch mit Jakobus Magnus?
  • 1550/6-1562 Johann Haustock (Huenstock)
  • 1562-1569 Valentin Schröder
  • 1588-1606 Cyriacus Geillfuß (Geilfues)
  • 1606-1608 Magister Engelhart Wagener
  • 1608-1626 Magister Johannes Gerstenberg(er)
  • 1626-1637 Magister Christophorus W(e)ichman(n)shausen
  • 1637-1664 Johannes Vormittag
  • 1664-1669? Johan Jacob Vormittag
  • 1669-1708 Casparus Eichler
  • 1709-1747 Wilhelm Ludwig Eichler
  • 1748-1768 Johann Caspar Eichler
  • 1768-1772 Friedrich Karl Leoppold Vilmar
  • 1772-1776 Johann George Schirmer
  • 1777-1791 Johannes Gundelach
  • 1791-1808 Geeorge Hermann Carl Kulenkamp
  • 1808-1844 George Friedrich Franke
  • 1845-1874 Geroge Bernhard Schilling
  • 1874-1898 Johannes Muhl
  • 1899-1911 Heinrich Schmidt
  • 1912-1936 Wilhelm Vockenberg
  • 1938-1975 Ernst Borschel
  • 1975-1982 Dietmar Hahn

Text © Rainer Driehorst und Jana Hinske, Bilder ©Jana Hinske